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August 2012

Es war ein großer „Räschen“ angesagt – Impressionen von der 3-Tage-Fahrt in die Niederlausitz

Die ersten Sonnenstrahlen fielen auf den weit geöffneten Bus. Koffer um Koffer, Tasche um Tasche verschwanden hinter den Klappen des Busses. Der Umfang ließ erkennen, dass es sich nicht nur um eine Tagesfahrt handelt, sondern mehrere Tage vor den Reisenden, Mitglieder und Freunde des Rhönklub Zweigverein Breitungen e.V., standen. Das herzliche „guten Morgen“ oder „Frisch auf!“ kam noch etwas verschlafen daher und unterstrich die frühe Stunde.

Die Reiseleiter zählten nur die nicht besetzten Plätze, das war schnell erledigt, denn der Reisebus war fast voll ausgebucht. Pünktlich konnte die Fahrt starten. Der Weg führte zur Autobahn A4 in Richtung Dresden. Während ein Teil der Reisenden schlief, verfolgte der andere aufmerksam die Landschaft oder man unterhielt sich. Bei den Burgen „Drei Gleichen“ ging die Fantasie durch und man sah rechts den Hintergrund für das Bauernkriegsdrama aufkommen. Schnell ist das Bild wieder vergessen und die Fahrt ging weiter.

Vor Dresden stimmten die Reiseleiter alle auf das Kommende ein und kündigte ein Gasometer als Höhepunkt an. Ungläubige Gesichter waren die Quittung. Erst als der Name Asisi fiel, ging ein Raunen durch die Reihen. Im Plan war der Besuch des Rundbildes „Rom 312“. Der gezeigte Film gab einen Einblick, wie aus einer Idee, jahrelanger Arbeit und der Liebe zum Detail der Künstler ein monomentales Kunstwerk schuf, das wohl alle Besucher in seinen Bann zieht. Einen historischen Abriss durch das antike Rom, verbunden mit den Darstellungen auf dem überdimensionierten Wandbild rundete das Erlebnis ab. Die Begeisterung nahm in den zwei Stunden kein Ende, denn man erlebte auf verschiedenen Ebenen durch Lichteffekte einen Tag und eine Nacht in Rom, begleitet von Hintergrundgeräuschen und Musik.

Nachdem mit einem lauten Pfiff und dem Nachzählen der Reiseleiter der Bus wieder gefüllt war, ging es direkt zur Dresdner Stadtmitte und zur versprochenen Freizeit. In kleinen Gruppen verschwand man in verschiedene Richtungen. Nicht wenig staunten die Reisenden, als sich zwischen dem Zwinger und dem Italienischen Dörfchen einer der größten Brauereien Deutschlands als simple Semperoper entpuppte. Das sollte eine Lehre sein, so wird man in der Werbung betrogen. Ebenso ist es mit dem Italienischen Dörfchen, es ist eine Gaststätte und kein Dorf. Vielleicht war es mal vor mehreren hundert Jahren ein Dörfchen und Canelleto hat drinnen gewohnt. Gegenüber das neu erbaute Schloss. Mit seinem „Grünen Gewölbe“ ist es schon eine Pracht und sucht nach Seinesgleichen, auch bei dem Eintritt. Die Frauenkirche stellt wohl alles in den Schatten. Allerdings was man in dieser Kirche nicht findet ist Ruhe und Besinnlichkeit. Tausende Besucher drängen täglich in das Innere der Kirche. Was man auch nicht merken wird der gesamte Platz ist für einen unterirdischen Parkplatz vorgesehen.

Schwer nur kann man sich von diesem Ensemble lösen, aber es hilft nichts, weiter geht es in die Niederlausitz nach Großräschen. Da dieses Großräschen mitten in Sachsen liegt, ist seine Namensherkunft auch nicht schwer. Es hat dort in der Vergangenheit wohl ständig und heftig geregnet. Namensgeber war wohl ein „Großer Regen“, auf sächsisch „Räschen“, also „Großräschen“. So einfach kann man es sich machen, wenn man die sächsische Sprache beherrscht.

Das „Seehotel“ in Großräschen wird für die nächsten zwei Nächte unsere Heimat und hält was es verspricht. Das Dreisternehotel bot uns am Abend mit einem 3-Gang-Menü einen Gaumengenuss. Das Hotel ist eine Empfehlung wert und zeigt, was die Jugend drauf hat. Nachdem der Tagebau sich zurückgezogen hat, liegt nun das „Seehotel“ mitten im entstehenden Lausitzer Seenland, direkt am Ilsesee.

Nur die wohlverdiente Nachtruhe trennte den ersten Tag, der voll gepackt war, vom zweiten Tag, der einige Überraschungen bereithalten sollte.

Ohne Herrn Müller vom Traditionsverein Bergbau Senftenberg e.V. geht am Morgen gar nichts. Gemeinsam fuhren wir entlang der rekultivierten Tagebaureviere der Niederlausitz. Sehr anschaulich erklärte Herr Müller, was hier wann geschah. Der Höhepunkt und auch der höchste Punkt an diesem Tag, der „Rostigen Nagel“ ein Aussichtsturm der besonderen Art. Der Turm ist komplett von einer braunen Rostschicht überzogen. Hm, der Rost schützt den Stahl vor dem Rosten. Macht das Sinn? Viele Stufen trennten uns von einem fantastischen Blick in die Landschaft. Im strahlenden Sonnenschein erläuterte Herr Müller sehr anschaulich das Verändern - wie nach dem Umwelt zerstörenden Braunkohleabbau eine Seenlandschaft und viel land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche entstand. Herr Müller war Bergmann mit Leib und Seele und brach immer eine Lanze für den Bergbau, erläuterte, wie bereits noch bei laufendem Betrieb an die Zeit nach der Kohle gedacht und geplant wurde.  Man kann nur sagen: „Klasse, Wunderschön und Hochachtung vor dem, was hier entstanden ist“.

Das Mittagessen im Gasthaus „Strandidyll“ in Großkoschen, dessen Namen hier nicht erklärt wird, bereitete auf die Schifffahrt auf dem Senftenberger See vor. Es war eine gute Idee, erst zu Lande und dann zu Wasser das Gelände zu erkunden. Das Auge hatte ständig einen neuen Eindruck und die Schifffahrt verging wie im Fluge. Alle freuten sich auf den Abend.

Die Sonnenstrahlen versanken in der Tiefe der Nacht und das Amphitheater erwacht im Scheinwerferlicht. Jeder hatte Platz genommen und harrte der Dinge und sie kamen. „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen!“ Jeder kannte die Melodien und hatte Mühe, nicht laut mitzusingen. Über das Leise wollen wir hier nicht reden, denn es war manchmal nicht Tonecht. Das macht aber gar nichts, den „My Fair Lady“ gespielt vom Theater „Neue Bühne“ Senftenberg war ein Erfolg und der Beifall und die Zugaben unterstrichen das noch. Der Busfahrer hatte Mühe, das Zeitfenster einzuhalten und die singenden Reisenden in den Bus zu bekommen. Das Singen hielt noch die halbe Nacht an, denn „die Rehe sieht man in der Nähe näher“.

Nach dem Frühstück ging es nach Nochten zum Lausitzer Findlingspark. Er ist mit seinen sechstausend Steinen einmalig in Europa und einmalig ist auch die Führende.

Ihre sächsische Mundart ist großartig und man glaubte es kaum, sie sagte zur Begrüßung: „Wir haben jetzt strahlenden Sonnenschein, es war aber großer Räschen angesagt, ist besser so, als mit dem Räschen!“ Heimlich hielten sich die Reisenden den Bauch vor Lachen, ja, ja, Großräschen! Man hatte sowieso den Eindruck, dass sie jeden Quadratmeter in der Hand gehabt hat. Ihr Mund stand nicht still und der wundervolle Inhalt wurde noch von der Art wie sie es rüber brachte übertroffen. Es spielte keine Rolle, ob sie über den Heidegarten, über den Spielplatz oder über Stauden und Gehölze sprach, sie kannte sich aus und hatte zu allem einen frechen und passenden Spruch auf Sächsisch drauf. Mit viel Wissen und mit einem ständigen Lachen fuhren wir dann Bautzen entgegen.

Es ist nicht weit zwischen Nochten und Bautzen, die Tuchhändlerin Teda alias Franziska Henke wartete schon. Sie lud zu einem historischen Stadtspaziergang ein und erzählte Sagen über die Stadt und deren Menschen. Aufmerksam lauschten alle ihr zu und erlebten eine unterhaltsame Reise durch die Zeit.

Der dritte Tag war zu Ende. Der Busfahrer öffnete die Türen des Busses – Staatsgebiet Hendrik: „Ohne mich geht hier nichts!“ – und nahm die „Fuhre“ wieder an Bord. Die Reise endete spät in der Nacht, aber alle waren glücklich und zufrieden.

Simone Dittmar

Kassierer des Rhönklub ZV Breitungen e.V.

 

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 Spuren suche in der Natur

Die Forstbotanische Wanderung des Rhönklub Zweigvereins Breitungen führte die etwa 15 Teilnehmer zu Standorten von Windbergsbuche, Steinbirke, Kilianseiche, Bettelbuche und Vogelherdfichte.  Alles Standorte und z.T. noch vorhandene Reste, die dem älteren Breitunger wohl bekannt sind und die vom Rhönklub in de letzten Jahren betreut und an denen auch Neupflanzungen vorgenommen wurden.
Peter Zeisberger führt diese spezielle Wanderung seit mehr als zehn Jahren durch und hat jedes Jahr etwas Neues, Interssantes aus dem Hut gezaubert.  So konnte er in diesem Jahr die Neupflanzung der Kilianseiche präsentieren. Und H.Heller konnte berichten, dass die Vorbereitungen zum Aufstellen einer Sitzgruppe an der ebenfalls neu gepflanzten Windbergsbuche begonnen wurden. Hierzu sind allerdings noch einige Absprachen notwendig.

 

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Auf den Spuren der Breitunger Mönche

wanderten am Sonntag, den 8.7.2012, Mitglieder und Gäste des Rhönklub Zweigverein Breitungen.

Aus Anlass des 900 – jährigen Jubiläums der Weihe der Breitunger Basilika sollte der Mönchsbrunnen im Asbacher Käbachtal in die Wanderroute einbezogen werden.

Der Mönchsbrunnen ist ein Rastplatz der Mönche, die von Breitungen kommend christliche Aufgaben im Steinbacher Grund erfüllten. Er liegt auch am Rennsteig - Werratal Radweg , der von Wernshausen über Schmalkalden zum Rennsteig führt sowie am Hauptwanderweg II des Thüringer Waldes.

Die leichten Regenschauer zu Beginn der Wanderung konnte den Teilnehmern nicht die Wanderlust und gute Stimmung nehmen.

Gewandert wurde von Asbach-Kirche durch das Käbachtal am Mönchsbrunnen vorbei über das Rondell zur „Waldbaude“ am „Alten Teich“. Hier wurde, von den Wirtsleuten bereits erwartet, eingekehrt.

Nach den zünftigen Thüringer Klößen und dem Nachfüllen des Flüssigkeitsdefizits wurde die nähere Umgebung der Waldbaute in Augenschein genommen und sich die Zeit bis zum Kaffee und Kuchen vertrieben mit Geschichten und Witzen.

Danach ging es nunmehr bei Sonnenschein über den Heftenberg und durch das Rechtal wieder in Richtung Ausgangspunkt.

Nachdem bereits zu Beginn der Wanderung einige Erklärungen über den Bergbau der damaligen Zeit abgegeben wurden, führte unsere Route weiter zum Tagebau "Bommende Eller". Hier wurden Eisenkalke als Zuschlagstoff für die Verhüttung abgebaut. Ein weiterer geologischer Höhepunkt war die Schwerspatgrube "Andreas". In dieser Grube wurde Ende des 19. Jahrhunderts bis 1924 Schwerspat abgebaut. Schwerspat oder Bariumsulfat tritt hier teils mit Flussspat und Quarz und teils mit Brauneisenstein verwachsen auf. Er war im 16. Jahrhundert zum Belasten der Kielräume von Segelschiffen gefragt, später in der Asbest-, Papier- und Farbherstellung genutzt. Von Nutzen ist er außerdem im Kranbau als Gegengewicht und als Strahlenschutz in Atomanlagen. In diesem ehemaligen Stollen haben Fledermäuse ihr Quartier gefunden. An der Käbach- Kreuzung trafen wir wieder auf unsere Ausgangsstrecke. Die Kreuzung liegt in einem reizenden Seitental der Asbacher Berge, hier kreuzten sich damals die Transportwege der mehr als dreißig Zechen, die schon im Mittelalter Brauneisenstein, Mangan, Schwerspat, Kupferschiefer und Kobalt gefördert haben.

Eine artenreiche Pflanzenwelt prägt den Charakter und den landschaftlichen Reiz dieses Gebietes. Insbesondere der Fingerhut (Digitalis) fiel uns auf, welcher hier sehr zahlreich und in den verschiedensten Farb-Variationen blühte, z.B. weiß, purpurn und gelb.

Bei unseren Fahrzeugen wieder angekommen waren sich Alle  einig: Dies war eine schöne und erlebnisreiche Wanderung. Und für die reifere Jugend auch lang genug.

Rudi Rommel

 

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